DigitalPakt Schule – hinken wir der Entwicklung hinterher?

Fast glaubte ich, wir Deutschen hätten den technologischen Anschluss an die Weltführung in den USA endgültig verpasst, da stolperte ich im Oktober 2018 in der New York Times über den Artikel „The Digital Gap Between Rich and Poor Kids Is Not What We Expected“. In der gedruckten Version wurde die renommierte Tageszeitung deutlicher: „Rich Parents Ban Devices As the Poor Grow Reliant“. Fünf Monate später, nämlich am 22. März 2019, titelte Stern Online „Digitale Schule – warum die Kluft zwischen Arm und Reich anders verläuft, als man dachte“.

Schließlich geht es darum, dass ausgerechnet wohlhabende Eltern, zu denen auch die meisten Angestellten in Silicon Valley gehören, bildschirmfreie Kindergärten und Schulen fordern. Über die Waldorfschule Pensinsula in Mountain View, die überwiegend von Kindern, deren Eltern bei Google, Apple, Yahoo und Hewlett-Packard arbeiten und die Bildschirme in den Klassenräumen weitestgehend meidet, berichtete die New York Times bereits im Oktober 2011 unter dem Titel „A Silicon Valley School That Doesn’t Compute“.

In letzterem Artikel wird Paul Thomas, Professor an der Furman University und Autor mehrerer Bücher über Pädagogik mit den Worten zitiert: „Teaching is a human experience. Technology is a distraction when we need literacy, numeracy and critical thinking.“ („Unterrichten ist eine menschliche Erfahrung. Technologie ist eine Ablenkung, wenn wir Lesen, Rechnen und kritisches Denken benötigen.“)

Spannend … Aber wie gehen wir nun bei uns mit dem „DigitalPakt Schule“ um? Mich beruhigt die Tatsache, dass das Geld in erster Linie in die Infrastruktur und in die Lehrerfortbildung investiert werden soll. Endgeräte sollen mit dem Geld kaum finanziert werden, da diese erfahrungsgemäß nach zwei Jahren bereits veraltet sind. Der Bund schüttet das Geld aus, damit unsere Kinder medienkompetent werden – damit sie lernen, wie Medien produziert werden, welche Rechte und Pflichten zu beachten sind, wie man gute von schlechten Medien unterscheiden kann und welche Wirkung die verschiedenen Formate, die über Medien transportiert werden, auf Menschen haben können.

Ich denke, unsere Schule wird sich zur Frage nach der Rolle von Technologie im Unterricht selbstbewusst positionieren und die von ihr verfolgten Werte deutlich und für jedermann verständlich skizzieren müssen. Dann sieht die Zukunft unserer Kinder und unserer Schule rosig aus.

Jürgen Beckmerhagen