Schule trägt über den Tod hinaus

Samstagnachmittag. Während die letzten Schüler mit ihren Eltern die Requisiten ihrer Jahresarbeitspräsentationen aus Haus Hansen tragen und Lehrer die Hallentüren verriegeln, kommen schon die ersten Gäste einer besonderen Gedenkfeier, die im Bistro stattfinden soll. Unter ihnen viele bekannte Gesichter von Schülerinnen und Schülern, die vor vier oder fünf Jahren unsere Schule verlassen hatten, aber auch Eltern, Lehrer*innen, eine Kindergärtnerin und wenige mir unbekannte Menschen. Fast alle waren morgens noch bei einer Trauerfeier und mittags bei einer Beisetzung. Man sieht es ihnen nicht an.

Vor dem Bistro wurde eine Weide mit langen herunterhängenden Ästen aufgestellt. An ihren Zweigen hängen kleine Zettel. Jeder mit einem Gedanken an Dominik.

Im Bistro haben Eltern aus allen Klassen ein großes Kuchenbuffet aufgebaut. Es gibt leckeren Kaffee und Tee. Das gesamte Bistro ist festlich eingedeckt.

An den Tischen und draußen vor dem Bistro unterhalten sich Gäste angeregt über alte Zeiten. Von überall dringt Lachen an meine Ohren.

Als ich die Glocke läute, um die Aufmerksamkeit der zahlreichen Gäste auf eine kurze Begrüßung zu lenken, wundere ich mich über meine Emotionen. Statt Trauer spüre ich ein Gefühl von Glück. Glück darüber, dass Dominiks Familie eine Gedenkfeier in unserer Schule wünschte. Glück darüber, dass Dominik nach über drei Jahren Kindergarten und 13 Jahren Schule auch nach seinem Tod so viele Menschen verbindet. In diesem Moment vergesse ich den Alltag und freue mich einfach nur, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Als ich gehe, sind die Zweige der Weide über und über mit guten Gedanken, mit Erinnerungen und Wünschen bedeckt. Für einen Moment sehe ich Dominik, wie er schmunzelnd grüßt und Abschied von uns nimmt.

Jürgen Beckmerhagen